Von Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
„Heraus zum 1. Mai.“ Dieses Motto der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit wird in diesem Jahr leider entfallen.
Niemand sollte deshalb allerdings glauben, der Tag der Arbeit sei obsolet und der Kampf um gute, sichere und ordentlich bezahlte Arbeit von der Geschichte überholt.
Die Corona-Pandemie wird den Kampf der Arbeitnehmer um ihre Rechte und gute Arbeit, mit Wucht neu entflammen lassen. Der 1. Mai, dieser Jahrzehnte alte, symbolträchtige Tag der Beschäftigten wird in den kommenden Monaten und Jahren jeden Tag die politische To-do-Liste der Gewerkschaften und einer linken Partei bestimmen müssen.
Corona hat die Wirtschaft mit einem Schlag ausgeknockt. In einen Tiefschlaf versetzt. Das Virus führt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg - hierzulande, in Europa und global. Die Verwerfungen der Finanzkrise stellt es in den Schatten. Diese Krise ist in der Tat beispiellos. Um es volkswirtschaftlich auszudrücken: Nie zuvor gab es eine Situation, bei der die Angebots- wie die Nachfrageseite weitgehend zum Erliegen gekommen ist.
Einige versuchen zu beruhigen: „Die Krise werde verschwinden, wie sie kam.“ Schlagartig. „Es wird sein wie davor.“ Das ist völlig abwegig. Wenn es optimal läuft, gelingt es die Infektionsketten dauerhaft zu verlangsamen. Ein Hochfahren der Wirtschaft in kleinen Schritten wäre möglich. Erst ein Impfstoff - und wenn (weltweit) alle damit versorgt sind - wird diese Krise enden lassen. Das wird dauern und ist für die Beschäftigten - insbesondere einer stark vom Export abhängigen Wirtschaft - eine Katastrophe.