„Die Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik verlief exakt wie erwartet: Erneut ging es darum, Sündenböcke zu finden, anstatt über tatsächliche Problemlagen zu sprechen. Letztes Jahr waren es die ‚bösen Ausländer‘, dieses Jahr trifft es Kinder und Jugendliche. So oder so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Verschärfungen gefordert werden. Der Antrag zur Herabsetzung der Strafmündigkeit liegt bei der Union schon in der Schublade. Auf der anderen Seite fordert Noch-Innenministerin Nancy Faeser in ständiger Leier ‚konsequente Abschiebungen‘. Dass die PKS in erster Linie ein Arbeitsnachweis der Polizei ist und keine Erklärungen für die Ursachen von Kriminalität liefert, wird zur Nebensache“, erklärt Clara Bünger, flucht- und rechtspolitische Expertin und Mitglied der Fraktion Die Linke im Bundestag, zur Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2024. Bünger weiter:
„Worüber man stattdessen sprechen könnte: Die starke Zunahme der Fälle von Wirtschaftskriminalität, auch wenn es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt. Dazu hört man von der scheidenden Bundesregierung nichts. Auch von der neuen Bundesregierung ist kein entschiedenes Vorgehen gegen Cum-Ex und vergleichbare Fälle zu erwarten.
Besonders aufschlussreich ist der Rückgang der Straftaten im Bereich Betäubungsmittelkriminalität. Das zeigt, womit die Polizei jahrelang beschäftigt war: einem Phantom von Massenkriminalität hinterherzujagen, das durch die Kriminalisierung erst geschaffen wurde. Obwohl die Cannabis-Legalisierung nur halbgar umgesetzt wurde, will die Union das wenige Erreichte nun wieder rückgängig machen. Das ist rückwärtsgewandt und falsch.“